Ein Schießstand und die Presse
Kindergarten im Kindergarten
Was steckt dahinter? Zunächst einmal ein demokratisches Verfahren. Ein Schützenverein ist mit dem Wunsch einer neuen Schießstätte an seine Gemeinde herangetreten, der bisherige Stand entspräche mit drei „Plätzen“ nicht mehr den Vorschriften der Liga und sei nicht mehr erweiterbar.
Mit großer Mehrheit hat der Gemeinderat nun dem Verein aus der Patsche geholfen. Im Keller des Gebäudes sollen nun ein Stand mit 6 "Plätzen" eingerichtet werden. Der Entscheidung gingen, ganz demokratisch, Anfragen an alle möglichen Betroffenen voraus: man habe die Schule (die im Nachbargebäude liegt), den Kindergarten und die Elternvertreter gefragt und keiner habe Einwände erhoben. Auch vor der Sitzung habe es kein großes Interesse oder gar kontroverse Diskussionen gegeben. Es wurde an alles gedacht: die Schützen trainieren abends, wenn kein Kind mehr Schule oder Kindergarten besucht und es gibt einen separaten Eingang, so dass kein Schütze mit seinem Waffenfutteral durch den Kindergarten marschieren muss. Also: alles wunderbar, sollte man glauben. Eine Gemeinde freut sich über einen Verein mit Jugendarbeit, dem geholfen werden kann. Ein gemeindeeigenes Gebäude wird optimal genutzt. Tja, wenn da nicht die Presse und die Politik wäre. Plötzlich wird die Entscheidung als „instinktlos“ bezeichnet. Ein MdL der Grünen meinte, der Vorgang erinnere an einen „drittklassigen Western“. Das sei „falsch verstandene Vereinsförderung“. Der Bürgermeister muss sich unbequemen Pressefragen stellen, mehr oder eher weniger seriöse Journalisten stürzen sich auf die Geschichte, glänzen wie auch „hallo deutschland“ wieder einmal mit Inkompetenz im Bereich des Waffenrechts und des Schießsports, überfallen in bester Boulevardmanier Mütter auf dem Kindergartenparkplatz. Es werden wohlweislich nur die Antworten gesendet, die wahrscheinlich suggestiven Fragen nicht. Und dann wird natürlich noch ein unsäglicher Zusammenhang zu Winnenden hergestellt und für die Waffen bräuchte es „noch nicht mal einen Waffenschein“. Spätestens da fragt sich der geneigte Leser, um was es denn eigentlich geht – ja, Luftgewehre. Auch die können gefährlich sein, sicher. Aber sicher kaum gefährlicher als ein Taschenmesser, dass so mancher Bub mit sich führt. Vielleicht sollte man der Presse und auch der Politik in Erinnerung bringen, dass Luftgewehr eine olympische Disziplin ist und ein Breitensport – letzteres wohl mehr wie Biathlon. Hier diskutiert niemand ein Verbot – sonnt man sich doch so gern in den Erfolgen der Sportler. So bleibt den deutschen Luftgewehrschützen nur ein Erfolg bei Olympia zu wünschen, nicht nur aus sportlichen Gesichtspunkten. Wahrscheinlich würde dann eine Berichterstattung wie diese der letzten Tage in der Zukunft ausbleiben.